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AMB_Oktober_2021

 

Neuling im Pflanzenfachhandel:

„Haben Sie Hauhechel?“ fragte ich eine Fachverkäuferin, die mir über den Weg lief. „Bitte was? Ist das eine Pflanze? Habe ich noch nie gehört,“ war ihre irritierte Antwort. Aber sie war erfreulicherweise interessiert, dass sie eine Pflanze, die zudem heimisch, hübsch und pflegeleicht ist, nicht kennt. Und sie hat auch noch nie von einem Schmetterling namens Hauhechel-Bläuling gehört, der diese Pflanze liebt.

Tatsächlich stammen 80–90 % der in Gärtnereien und Gartenfachmärkten angebotenen Pflanzenarten aus aller Welt, nur nicht aus unserer heimischen Flora. Oder sie sind eingekreuzt, veredelt und haben für Insekten unnütze gefüllte Blüten. Gewinnorientierter globaler Einkauf geht eben leider vor Naturschutz. Die Gartencenter-Angebotspalette lässt uns in dem Glauben, dass das, was wir da kaufen, Natur in unsere Gärten bringt. Aber das Gegenteil ist oft der Fall. Grün und bunt von anderen Kontinenten bietet nur bedingt Nahrung für unsere heimische Vogel- und Insektenwelt. Ein schleichender Verlust der Artenvielfalt ist die Folge. Gerade bei den Schmetterlingen ist der Rückgang alarmierend. Viele Bürger wollen das sicherlich nicht, aber unser verloren gegangenes Wissen, dieser Wunsch nach Endlosblüte und Immergrün und das mangelnde Angebot heimischer Pflanzen lässt uns halt die Exoten kaufen.

Dabei können wir gemeinsam wirklich etwas gegen den Artenschwund tun! Denn die 70 Millionen Gärten, die wir in Deutschland haben, ergeben zusammen eine beeindruckende Fläche mit hohem Artenschutzpotenzial. Machen Sie mit, holen Sie sich Pflanzanregungen auf www.NABU.de oder holen Sie sich Tipps von unserer Ortsgruppe, bevor Sie Pflanzen einkaufen gehen. Fragen Sie gezielt nach heimischen Pflanzen. Denn Nachfrage schafft Angebot. Das habe ich gerade jetzt bei meinem Besuch im Gartenfachhandel erfreut festgestellt: Mittlerweile führen sie auf meine Berberitzen-Anfrage im Frühjahr auch den genauso hübschen heimischen Berberitzenstrauch und nicht nur die bei den Vögeln weitaus weniger beliebte Berberitzenart aus China. (HV)


AMB_Oktober_2021

 

Eine kleine Hommage an unseren Vogelexperten Jürgen Schnepf …

… wir starten mit Jürgen eine kleine, unregelmäßige Reihe, um über ganz besondere Menschen aus unserer Nähe zu berichten.

Wer unseren Nabugarten erkundet oder daran vorbeiradelt, sieht auf halber Strecke unweigerlich ein großes imposantes Bauwerk aus aufgeschichteten Dachziegeln und Totholz. Intern nennen wir es ob der beeindruckenden Größe „die Chinesische Mauer“, aber eigentlich ist es mit seinen vielen Ritzen, Hohlräumen und integrierten Hohlstängeln ein phantastisch ausgeklügeltes Refugium für Insekten, Lurche und anderen Kleinstlebewesen. Dieses Bauwerk stand eines Tages plötzlich und unerwartet als erstes Naturgarten-Modul im Garten. Der heimliche Erbauer: Jürgen! Er macht einfach, ohne großes Tamtam und lamentieren, er schafft und denkt mit und baut und besorgt und organisiert. Jürgen ist unsere radelnde gut gelaunte Wundertüte, der uns immer wieder überrascht. Manchmal mit einem beschwingten Nabu-Radausflug für Kinder oder naturinteressierte Erwachsene, dann mit einer blitzschnell besorgten Ansitzstange für Greifvögel, als uns die Mäusepopulation im Garten über den Kopf zu wachsen drohte. Kein Baum ist vor seinen meist selbstgebauten Vogelnisthäusern sicher und deshalb dürfen wir im und neben dem Nabugarten Vogelnachwuchs aller Art erleben. Besonders die Gartenrotschwänzchen, die an der Nabuhütte ein von ihm perfekt gezimmertes Zuhause bekamen, konnten wir erfreut von ganz nah beobachten. Neuerdings hängt ein riesengroßer Hornissenkasten hoch oben im Kirschbaum. Keine Ahnung, wie er das Ding da alleine hochbugsiert hat. Wir glauben, dass er zaubern kann, unser Jürgen. Verzaubert hat er uns und vor allen Dingen die vielen Besucher-Kinder mit seiner begeisterungsfähigen Art schon allemal. (HV)


AMB_Januar_2022

 

Wo die wilden Tiere wohnen?

eigentlich nur noch auf den wenigen wilden Streuobstwiesen von Edingen-Neckarhausen. Weil wir Menschen es ordentlich haben wollen, wird immer mehr geschnitten, gemäht, gerodet, zugepflastert. Unsere heimischen Tiere können in unserer Ordnung nicht überleben. Denn die benötigen es wild. Wild wie Wildblumen, Wildhecken, wilde Strukturen.

Die meisten Wiesen sind leider auch schön ordentlich und damit ja keiner meckert, werden Obstbäume intensiv gestutzt, Totholz und wild aufgegangene Sträucher sofort entfernt, Wiesen flächendeckend und regelmäßig mit großen Maschinen gemäht oder gar gemulcht. Dabei ist so eine Wiese mit Bäumen ein unglaublicher Schatz, es könnte ein Stück wertvolle wilde Natur sein. Für die Tiere. Das wäre so unglaublich wichtig in unserer Zeit des fatalen Artensterbens. Denn Wildsträucher, Totholz und hohe Wiesen sind Schutzräume und Nahrungsquelle für Vögel, Hasen und Co.

Die meisten Insekten legen ihre Eier an Wildblumen und Sträuchern ab. Das Mähen zerschreddert unweigerlich die Brut. Da kann keine Raupe mehr zum Schmetterling werden. Das gehäckselte Mähgut verwandelt sich zudem in Humus, das Starkzehrer begünstigt und die für Insekten lebensnotwendigen Wildblumen unterdrückt.

Helfen Sie den wilden Tieren in unserer Gemeinde: Mähen Sie Ihr Grundstück nur mit einem Balkenmäher oder Sense und nur abschnittsweise. Wagen Sie es, ein Drittel des Grundstückes ein Jahr lang nicht zu mähen, ein Drittel nur einmal im Herbst und ein Drittel zweimal im Juni und Herbst. Und dies im Wechsel. Tragen Sie das auf der Fläche getrocknete Schnittgut einfach als Haufen unter einen Baum zusammen. Kleintiere lieben die warmen Haufen als Winterquartier. Lassen Sie Ihr Grundstück nicht mulchen, auch wenn es, ebenso wie das Entfernen des Totholzes, die weitverbreitete Empfehlung vieler Pflege-Anbieter ist! Abgestorbenes Holz ist wichtig für Vögel, Echsen und Insekten, Totholzhaufen sind wunderbare Lebensräume. Und Naturschutz ist oft einfach: Wildsträucher siedeln sich beispielsweise meist von selbst an. Mit den Sämlingen können Sie durch gezieltes Stehenlassen einfach Strauchinseln oder blühende Hecken wachsen lassen. Nur wuchernde Brombeeren sollten Sie ab und zu eindämmen. Es ist alles einfach eine Frage des Gewusst-wie: weniger und gezielter Pflegeaufwand, mehr Natur. Übrigens, sie können uns gerne Ihr Grundstück verpachten, um es langfristig naturnah zu erhalten. (HV)


AMB_Januar_2022

 

Pflanzenkunde: Der Faulbaum …

… iieh, hört sich ja verdächtig an. Faulbaum? Ist der Baum einfach nur faul und will nicht wachsen oder ist er gar schnell faulig oder etwa für Faultiere geeignet? Weit gefehlt. Er heißt Faulbaum, weil er sich mit einem leichten Geruch nach Fäulnis schützt, wenn ein Tier es wagt, ihm die Rinde abzuknabbern. Die Rinde wird von uns Menschen übrigens seit Jahrhunderten als Abführmittel verwendet und die aus dem Faulbaum gewonnene Holzkohle wurde früher für die Herstellung von Schwarzpulver verwendet. Deshalb heißt er auch Schießbeere oder Pulverholz.

 

Der Faulbaum ist eigentlich gar kein Baum sondern ein mehrstämmiger Strauch, der fleißig und anspruchslos so vor sich hinwächst. Er wird gerade mal 2–3 Meter hoch. Manchmal, wenn es ihm gefällt, auch 4. Er liebt es feucht, aber er ist extrem anpassungsfähig und kommt ebenso mit Trockenheit klar, und mit voller Sonne oder tiefem Schatten. Also ein idealer, pflegeleichter Strauch, besonders für den kleinen Garten. Für den Hintergrund. Denn der Faulbaum ist komplett unscheinbar. Deshalb kennt ihn wahrscheinlich auch keiner. Er besitzt weder besonders hübsche Blätter, noch prächtige Blüten oder Früchte und hat keine spektakuläre Herbstfärbung. Aber wenn er blüht, so Anfang Juni, passiert dennoch etwas Spektakuläres:

 

Obwohl man die klitzekleinen hellgrünen Blüten kaum sehen kann, wuselt und summt und brummt es plötzlich explosionsartig im und um den ganzen Strauch. Bienen in allen Größen, Schwebfliegen, Grabwespen, Käfer, der beeindruckende stahlblaue Grillenjäger, sie alle tanzen tagelang um den Strauch herum, um etwas von seinem köstlichen Nektar zu ergattern. Allein für dieses Spektakel lohnt es sich, einen Faulbaum in seinen Garten zu holen. Und er leistet noch etwas ganz Außergewöhnliches: Die grünen Raupen des Zitronenfalters ernähren sich einzig und allein von seinen Blättern. Mit so einem Faulbaum bekommt man also noch die hübschen Zitronenfalter gratis obendrauf! Ach ja, und nicht zu vergessen, die Vögel lieben seine Beeren!

 

Wer den Faulbaum mal genauer betrachten möchte, kann zwei hübsche Exemplare davon bei uns im Nabugarten am Teich bei der Benjeshecke finden. (HV)

 


AMB_Februar_2022

 

Zurück in die Zukunft

Unsere Ahnen benötigten strukturreiche Landschaften, um zu überleben. In Gegenden mit Schutz bietenden Höhlen, Wasserstellen, Jagdmöglichkeiten und nährenden und heilenden Pflanzen und Bäumen ließen sie sich gerne nieder. Dort konnten sie sich entwickeln und fortpflanzen. Sobald sie an einem Ort zu viele wurden, zog ein Teil weiter und suchte sich einen neuen Lebensraum. Das ist unsere Geschichte. Im Gegensatz zu uns Menschen (mit Ausnahme der Naturvölker), funktioniert das Überleben von Fauna und Flora immer noch wie in der Steinzeit. Wir müssen das so respektieren und annehmen. Denn, auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen, sind wir abhängig von unserer Tier- und Pflanzenwelt. Der Schutz und Erhalt ist eine globale Aufgabe, die uns in ihrer Dimension und Komplexität aber schlichtweg als unlösbar erscheint.

 

Aber wir können diese Aufgabe ja mal hier, in Edingen-Neckarhausen, in einer für uns erfassbaren Dimension andenken. Wie wäre es, wenn wir uns einfach mal klein denken. So klein wie ein Igel oder noch kleiner, wie eine Kröte oder Hummel . Da reichen schon ganz kleine Schutzhöhlen in Steinritzen, larvenreiche Jagdgründe wie Holzhaufen, nektarreiche Wildpflanzenbeete, naturnahe Wasserstellen, Wildstrauchhecken und heimische Bäume, die wir in unsere Gärten einbringen können, um das Überleben für die nächsten Generationen zu sichern.

 

Den 2020 gestarteten NABUgarten gestalten wir mit dem Gedanken: Strukturreichtum + Pflanzenvielfalt = Artenvielfalt. Das funktioniert. Besonders die Wildbienen und Eidechsen vermehren sich prächtig. Jetzt brauchen wir nur weitere Gärten, die ähnliche Voraussetzungen bieten, damit die mittlerweile selten gewordenen Tiere sich wieder ausbreiten können. Und vielleicht auch der Schwalbenschwanz, den es im Kraichgau oder Odenwald noch gibt, wieder Schritt für Schritt hier herwandern kann. Biotopvernetzung oder Trittsteinbiotope schaffen heißt das im Fachjargon. Die Umweltämter arbeiten zwar mit Hochdruck daran, aber die Mühlen mahlen gerade hier langsam, weil kaum jemand wertvolle Fläche langfristig dafür hergeben möchte. Wir finden, es muss schneller gehen, denn immer mehr Tierarten verschwinden hier, können hier einfach nicht mehr überleben. Bitte machen Sie mit, bieten Sie in Ihrem Garten Insekten, Amphibien, Echsen und Kleinsäugern einen Lebensraum. Wir NABUs stehen Ihnen dabei gerne mit Rat und Tat zur Seite.

 

Ach ja, Gartenhobbing für Kröten und Co. funktioniert nur, wenn die Tiere nicht auch noch, zusätzlich zu den vielen Verkehrswegen, an einem undurchdringlichen Zaun scheitern. Oder einem riesigen Mähroboter begegnen (voll Science-Fiction) oder keine Schutzräume (Dornenbüsche, kleine Ritzen und Höhlen) vor einem „T-Rex“ namens Katze finden. (HV)